Guten Tag,
Fladdermus hat geschrieben:Hallo zusammen,
ich weiß, dass mich Jan wieder auf die Bahnhilfe verweisen wird.
Nicht unbedingt. Die Bahnhilfe setzt natürlich auch eine ganze Menge Grundwissen voraus, sonst müßte sie noch viel umfangreicher sein. Die Grenzen sind da freilich fließend: Was für den einen ein langweiliger Urschleim ist, ist für den anderen neu und interessant. Als Verfasser ist man außerdem oft mit Betriebsblindheit geschlagen und setzt manche Dinge als selbstverständlich voraus, nur weil man sie selbst schon lange kennt.
Fladdermus hat geschrieben:Also, wenn ich auf Fahrt nach Fahrplan hinaus will, muss ich doch davon ausgehen, dass die Züge auf den einzelnen Streckenabschnitten immer mit der gleichen Geschwindigkeit fahren, oder ?
Nein, eher ganz im Gegenteil. Es ist eigentlich genauso wie im Straßenverkehr. Jedes Fahrzeug hat eine Höchstgeschwindigkeit, für die es zugelassen ist. Beim ICE z.B. 280km/h, bei vielen Loks 200, 160 oder 140.
Diese maximale Geschwindigkeit darf aber nur selten gefahren werden. Genau wie beim Auto: Das hat meistens eine Zulassung für 160..220km/h, aber wo darf es so fahren? Nur auf ein paar Autobahnen. Ansonsten ist immer die Geschwindigkeit der Strecke maßgebend, und die ist fast immer geringer. Die kann sich an jeder Kurve, an jeder Kreuzung und jeder Ortsdurchfahrt ändern, vor jeder Schule und vor jedem Krankenhaus. Genauso bei der Bahn: Auch hier gehen viele Parameter der Strecke ein und fordern Limits.
Fladdermus hat geschrieben:
Es lassen sich ja für jeden Zug 4 Geschwindigkeitsparameter einstellen v_max, f_Lafa, v_Vorsig , v_perm.
Nur die v_max ist relevant. Alles andere kann man leer lassen. Darum kümmert sich BAHN in aller Regel selbst. In früheren BAHN-Versionen konnte man diese Werte auch gar nicht einzeln eingeben. Wahrscheinlich war das auch besser so. Mit den einzelnen Zugtypen haben diese Werte normalerweise nichts zu tun.
Fladdermus hat geschrieben:
Wann wäre es denn angebracht, eine Langsamfahrstelle in das Schienennetz einzubauen ?
In nahezu allen Bahnhöfen und im Gebirge mit vielen engen Bögen. Als "Gebirge" gilt hier schon ziemlich unauffälliges Hügelland.
Fladdermus hat geschrieben:
Wo kann man solch allgemeine Fragen nachlesen, auf die die Bahnhilfe nicht eingeht ?
Schwer zu sagen. Wikipedia vielleicht, oder StVO. Alle möglichen Eisenbahngesetze, -richtlinien und Vorschriften gibt es auch online, nur ist das eine Riesenmenge an Material.
Außerdem ist BAHN in dieser Hinsicht extrem vereinfacht, d.h. die Wirklichkeit ist viel komplexer, als es hier dargestellt wird. Ein Unterschied zur Straße ist die Zugbildung: Beim Auto ändert sich die zulässige vmax in der Regel auch, wenn man einen Anhänger dran hängt, aber das macht man selten. Beim Zug ist das die Regel, und es können viele Wagen sein. Jeder davon hat eine eigene zulässige vmax (die übrigens auch draußen dran steht), und natürlich darf der ganze Zug nicht schneller fahren als der langsamste Wagen. Bei Güterwagen ist meist bei 80km/h oder 100km/h Schluß, Reisezugwagen gibt es dagegen auch oft für 120, 140, 160 und 200km/h.
Es gibt darüber hinaus jede Menge weiterer Parameter, auf die BAHN verzichtet. Manche Loks dürfen nur reduzierte Geschwindigkeiten fahren, wenn man 2 davon zusammenkuppelt. Bei manchen Wagen ändert sich die zulässige vmax je nachdem, ob sie leer oder beladen sind, in welchem Modus die Bremsen betrieben werden und welche Bremsen überhaupt vorhanden sind. Viele Weichen darf man in gerader Richtung schneller befahren als beim Abbiegen. Manche Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten nur zu bestimmten Zeiten (nachts wegen Lärm) oder bei bestimmten Wetter (Sturm, Glatteis). Natürlich ist die Beschleunigung unterschiedlich, je nachdem ob die Strecke bergauf oder bergab oder in der Ebene verläuft, und je nachdem, ob eine Lok alleine fährt oder mit einem schweren Güterzug. Kurzum, die Realität ist wirklich komplex, während BAHN eigentlich eine stark simplifizierte Darstellung davon ist.
BAHN erlaubt eine Menge Dinge, die beim Vorbild eher Unsinn wären, z.B. Geschwindigkeiten bis 600km/h oder die Kombination von allen möglichen Fahrzeugtypen, die sich in Wahrheit nie begegnet sind. Man kann sich hier freiwillig einschränken, aber man kann seiner Phantasie auch mal freien Lauf geben. Das ist jedem selbst überlassen. Die heute bei der Eisenbahn gefahrenen Geschwindigkeiten waren vor 100 Jahren auch noch utopisch. Da fuhren Güterzüge meist nur 30..40km/h und Reisezüge 40..100km/h.
Realistische Werte findet man am besten durch Vergleich mit dem Original, also Landkarte und Fahrplan. Wenn Du eine Strecke von 50km Länge baust und der Zug beim Vorbild 30min dafür braucht, dann probierst Du eben Geschwindigkeiten so lange, bis er bei Dir auch 30min dafür braucht. Dann können die Werte nicht sehr falsch sein. Wenn es genauer sein soll, dann mußt Du eben auch noch die Fahrpläne der Zwischenstationen heranziehen. Dann zeigt sich vielleicht, daß ein Abschnitt der Strecke schneller befahren wird als ein anderer. Aber wie gesagt, solche Entscheidungen trifft jeder für sich selbst und sollte sich da auch nicht allzusehr Vorschriften von anderen machen lassen. BAHN macht da möglichst auch keine, viele Limits sind hier einfach nur technisch bedingt.
Grüße,
Jan B.