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? Beschleunigungswerte für Bahn

Verfasst: Sonntag 19. April 2009, 17:03
von Helfer
Guten Abend,

weder im Forum noch im Internet habe ich Beschleunigungswerte für Busse gefunden. Kann mir jemand von euch helfen? Es geht um "normale" Gelenk- und Solobusse in Bremen. Bisher habe ich zum Anfahren 0,3 m/s², 0,4 m/s² und 2,0 m/s² und zum Bremsen 1,0 m/s² und 3,0 m/s² in meinem Netz. Das sieht mir ein bisschen durcheinander aus.

Meine Straßenbahnen (u. a. Bombardier Flexity) fahren mit 0,4 m/s² an und bremsen mit 1,0 m/s².

Kann mir da jemand helfen?

Danke.

Re: ? Beschleunigungswerte für Bahn

Verfasst: Sonntag 19. April 2009, 19:25
von Jan Bochmann
Guten Abend,
Helfer hat geschrieben:Guten Abend,

weder im Forum noch im Internet habe ich Beschleunigungswerte für Busse gefunden.
Vielleicht auf den Seiten der Hersteller? Es hängt u.a. von der Motorisierung ab, und da kann man verschiedene auswählen. Die weiter unten von mir genannten Werte stammen nahezu alle aus Herstellerprospekten, die bei vielen Herstellern ganz einfach auf deren Webseite zu finden sind.
Helfer hat geschrieben: Es geht um "normale" Gelenk- und Solobusse in Bremen. Bisher habe ich zum Anfahren 0,3 m/s², 0,4 m/s² und 2,0 m/s² und zum Bremsen 1,0 m/s² und 3,0 m/s² in meinem Netz. Das sieht mir ein bisschen durcheinander aus.

Anfahren 0,3 und 0,4 ist ein bißchen wenig. Moderne Straßenbahnen/Stadtbahnen erreichen etwa 0,9 bis 1,3 m/s², jedenfalls bis ca. 50km/h. Beim Bus dürfte es vielleicht etwas mehr sein, wenn er "sportlich" gefahren wird. Es ist freilich nur ein Durchschnittswert: Der Bus muß zwischendurch schalten, im Gegensatz zu Straßenbahn und O-Bus. Aber 2,0 m/s² ist sicher zu viel.

Beim Bremsen mit 3,0 m/s² würden wohl alle Fahrgäste und der Fahrer durch die Frontscheibe fliegen.

Beim Anfahren läßt die Beschleunigung meist bei ca. 30..40km/h nach, je nach vorhandener Leistung und gewünschtem Energieverbrauch (es gibt z.B. via Software gedrosselte Antriebe). Deshalb ist es eigentlich wichtig, welcher Geschwindigkeitsbereich gemeint ist. Das selbe Fahrzeug hat von 0 bis 40km/h gewöhnlich eine höhere Beschleunigung als von 0 bis 60km/h oder gar von 40 bis 60km/h.

Natürlich spielen Topographie (Anfahren am Berg bzw. im Gefälle) und Straßenzustand/Gleiszustand (trocken/naß/Eis/Laub) auch eine wichtige Rolle.
Helfer hat geschrieben: Meine Straßenbahnen (u. a. Bombardier Flexity) fahren mit 0,4 m/s² an und bremsen mit 1,0 m/s².
Für moderne Straßenbahnen habe ich ein paar Beispiel-Werte, außer denen, die schon in der BAHN-Hilfe unter "Beschleunigung" zu finden sind. Das Formelzeichen "b" steht hier für die Bremsverzögerung, und "a" wie allgemein üblich für die Beschleunigung:

FR Marseille Flexity Outlook (Bombardier/Siemens/ELIN):

a=0,9 m/s² (von 0 bis 70 km/h)
b=1,5 m/s² (Gefahrenbremsung 2,85 m/s²)

DE Berlin Flexity (Bombardier):

a=0,65 bis 0,75 m/s² (je nach Variante, es gibt 4 unterschiedliche)
b=1,2 m/s² (Gefahrenbremsung 2,74 m/s²)

DE Düsseldorf NF8U (Siemens/Kiepe):

a=1,2 m/s²
Gefahrenbremsung 2,7 m/s²

CZ Plzen K3R-NT (CKD/PARS):

a=1,8 m/s² (im Gegensatz zu den meisten deutschen Wagen mit Allradantrieb)

CH Zürich FB Be4/6 (Stadler):

a=1,2 m/s²

FR Bordeaux Citadis302/402 (Alstom):

a=1,15 m/s²
Gefahrenbremsung 2,85 m/s²

PT Almada Combino Plus (Siemens):

a=1,3 m/s²
b=1,1 m/s²

Zum Vergleich noch S-Bahn DB 423 (Adtranz,Alstom LHB,ABB,Bombardier):

a=1,0 m/s²

Bei Fahrzeugen, die normalerweise rein elektrisch angetrieben und gebremst werden (also die meisten Straßenbahn-Tw, U-Bahnen, S-Bahnen sowie O-Busse, jeweils ohne Beiwagen/Anhänger), dürfte die übliche Bremsverzögerung nahezu identisch zur Anfahrbeschleunigung sein. Beim Bus gilt das natürlich nicht, da Fahren und Bremsen von ganz unterschiedlichen Baugruppen realisiert werden. Auch die Motorbremse ist nicht einfach eine Umkehr des Antriebs, im Gegensatz zum als Generator arbeitenden Elektromotor.

Grüße
Jan B.

Re: ? Beschleunigungswerte für Bahn

Verfasst: Sonntag 19. April 2009, 20:22
von Helfer
Vielen Dank für die Antworten.

Genauer gesagt geht es mir um die Gelenkbusse
MAN NG313 (2002)
MB O405GN2 (1997)
Solaris Urbino 18 (2006/2008)
Neoplan N4021 (1994/1995/1999)

und die Solobusse
MB O405N2 (1994/1995)
MB O405N (1998)
Solaris Urbino 12 (2008/2009)
MAN NL 202 (1995)

Mehr fährt in Bremen nicht :)

Es geht um den Geschwindigkeitsbereich bis 50 km/h und ich habe auf keiner Hersteller-Website was über die Beschleunigung gefunden, tut mir Leid :(

Ich nehme einfach für die Gelenkbusse 1,3 m/s² und -1,5 m/s² und für Solobusse 1,4 m/s² und -1,5 m/s² an. Ich denke, das ist ein guter Mittelwert.

Noch einmal vielen Dank. Wenn jemand bei Google und Co. mehr Erfolg als ich mit den oben genannten Bustypen hat, nehme ich weitere Hinweise dankend entgegen!

Viele Grüße aus Hannover,
Jonathan

Re: ? Beschleunigungswerte für Bahn

Verfasst: Montag 20. April 2009, 10:07
von Jan Bochmann
Guten Tag,
Helfer hat geschrieben:Vielen Dank für die Antworten.

Genauer gesagt geht es mir um die Gelenkbusse
MAN NG313 (2002)
MB O405GN2 (1997)
Solaris Urbino 18 (2006/2008)
Neoplan N4021 (1994/1995/1999)

und die Solobusse
MB O405N2 (1994/1995)
MB O405N (1998)
Solaris Urbino 12 (2008/2009)
MAN NL 202 (1995)

Mehr fährt in Bremen nicht :)

Es geht um den Geschwindigkeitsbereich bis 50 km/h und ich habe auf keiner Hersteller-Website was über die Beschleunigung gefunden, tut mir Leid :(

Ich nehme einfach für die Gelenkbusse 1,3 m/s² und -1,5 m/s² und für Solobusse 1,4 m/s² und -1,5 m/s² an. Ich denke, das ist ein guter Mittelwert.

Noch einmal vielen Dank. Wenn jemand bei Google und Co. mehr Erfolg als ich mit den oben genannten Bustypen hat, nehme ich weitere Hinweise dankend entgegen!

Viele Grüße aus Hannover,
Jonathan
Die Werte klingen plausibel. Ich greife mir mal den Solaris Urbino 18 als Beispiel heraus. Auf der Solaris-Webseite findet man dazu auch in deutscher Sprache:
  • m(leer)=15500..18500kg
    m(gesamt)=24000kg
Motor (wahlweise):
  • 1. DAF PR228 p=228kW
    2. DAF PR265 p=265kW
Was heißt das? Die Bezeichnung "Solaris Urbino 18" ist keine wirklich genaue Produktbezeichnung. Es sind 2 unterschiedliche Motoren im Angebot, und je nach Ausstattung (z.B. Anzahl Türen und Sitze) ist das Fahrzeug unterschiedlich schwer. Genau das selbe dürfte für alle anderen erwähnten Bustypen ebenfalls gelten.

Aus diesen Daten läßt sich aber eine grobe Abschätzung durchführen (Grundlage ist etwas Physikunterricht):

Anfahrt 0 auf 50km/h mit 22t (zu etwa 2/3 besetzter Bus):
  • v = 50km/h = 50*1000m/3600s = 13.88m/s
    m = 22t = 22000kg
benötigte Energie (ohne Reibungsverluste und Verluste durch Motor+Getriebe):
  • e = m/2*v² = 22000kg / 2 * ( 13.88 m/s )² = 2119198 kg*m*m/s/s = 2119198 Nm = 2119198 J = 2119198 Ws
benötigte Zeit:
  • e = p * t => t = e / p

    t1 = 2119198 Ws / 228000 W = 9.29s (Motor 1)

    t2 = 2119198 Ws / 265000 W = 8.00s (Motor 2)
(Annahme, daß die volle Motorleistung immer verfügbar ist, was aber von der Drehzahl abhängt und auch keine Schaltungen des Getriebes berücksichtigt)

resultierende Durchschnittsbeschleunigung:
  • v = a * t => a = v / t

    a1 = 13.88m/s / 9.29s = 1.49 m/s²

    a2 = 13.88m/s / 8.00s = 1.73 m/s²
Das sind dann die theoretischen Maximalwerte für Anfahrt in der Ebene. Die wirklichen Werte müssen darunter liegen. Ich schätze, daß da ca. 20-40% abzuziehen sind.
Bei 30% bleiben also a1 = 1.15 m/s² und a2 = 1.33 m/s² übrig.
Es müßte in diesem Forum Leser geben, die das mal richtig gelernt haben...

In Bremen hat man wahrscheinlich den schwächeren Motor gekauft, weil die Topographie der Stadt nicht sehr anspruchsvoll ist (keine Bergstrecken). Aber das ist nur Spekulation meinerseits.

In meinen eigenen Streckennetzen fahre ich mit Werten, die experimentell so ermittelt sind, daß die vorhandenen Fahrpläne soweit eingehalten werden:
  • Variobahn und andere typische 30m-NF-Wagen mit 2/3-Radantrieb a=0.85 m/s²
    ältere Straßenbahnen je nach Typ und Behängung mit Beiwagen a=0.50..0.80 m/s²
    Standardbus 2x a=1.00 m/s²
    Gelenkbus 3x a=0.95 m/s²
    Midibus 2x a=1.00 m/s²
    Bremsverzögerung für alle: b=1.00 m/s²
    vmax im Stadtverkehr: 55km/h
Grüße
Jan B.